FALLING FROM THE SHOULDERS OF GIANTS: COLD FEET
MODERATIONEN IM OKTOBER/ NOVEMBER

26. Oktober 2026, um 18 Uhr
NEUE VORFAHR:INNEN
Die Potsdamer Dichterin Jutta Petzold: Die Mauern sie können nicht tauschen
Ines Geipel im Gespräch mit Verena Voigt M.A., GFZK e.V.
Digitalvilla am Hedy-Lamarr-Platz, Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, Prozesse & Systeme, Karl-Marx-Str. 67, 14482 Potsdam
Anmeldung: kontakt@verena-voigt-pr.de
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Jutta Petzold (1933–2020) gehört zu den lange übersehenen Stimmen einer nicht-kanonischen Widerstandskultur der DDR. Nach einem missglückten Fluchtversuch 1961 zählt sie zu den Vertreter:innen der sogenannten Dritten Literatur, deren Werke außerhalb der offiziellen literarischen Öffentlichkeit entstanden und erst spät erschlossen und gewürdigt wurden. Die Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Ines Geipel sichert und erschließt Petzolds Nachlass. In der Digitalvilla liest sie aus neu edierten und rekonstruierten Texten und stellt eine Autorin vor, deren Werk von den Bedingungen des Schreibens unter politischem Druck, von Ausschluss und dem Kampf um eine eigene Sprache erzählt.
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Die Veranstaltung ist Teil des Projekts NEUE VORFAHR:INNEN im Rahmen des zweijährigen Projekts FALLING FROM THE SHOULDERS OF GIANTS der GFZK e.V. Der Titel geht auf eine künstlerische Arbeit von Ian Keaveny zurück, der für das Projekt ein digitales Porträt Jutta Petzolds geschaffen hat. Das Gesicht erscheint darin nicht als geschlossenes Bild: Es vervielfacht und verschiebt sich, Oberflächen brechen ab, Fragmente überlagern einander. Die digitale Rekonstruktion wird selbst zum Bild einer prekären Überlieferung.
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Für die Gesellschaft für zeitgenössische Konzepte e.V. (GFZK) ist die Lesung Teil einer längerfristigen Auseinandersetzung mit komplexen Zensurregimen in Vergangenheit und Gegenwart. Eine bislang wenig bekannte biografische Spur führt dabei nach Potsdam: Jutta Petzold lebte 1949 für kurze Zeit in der Stadt. Der genaue Ort ihres damaligen Aufenthalts ist derzeit Gegenstand unserer Recherche. Perspektivisch verfolgt die GFZK die Idee, eine Straße oder einen Platz in Potsdam nach Jutta Petzold zu benennen – als Beitrag zu einer erweiterten Erinnerungskultur, die auch marginalisierte literarische Biografien sichtbar macht.
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Im Zentrum der begleitenden künstlerischen Forschung steht Petzolds spätes, fragmentarisches Prosawerk. Ihre Sprache bewegt sich an den Grenzen von Ausdruck, Sinn und Form. Wörter kippen, Bedeutungen werden instabil, syntaktische Ordnungen brechen auf. Hier entsteht eine Verbindung zur Glitch Art: Nicht weil Petzolds Literatur nachträglich zu Glitch Art erklärt werden soll, sondern weil sich zwischen ihren sprachlichen Brüchen und der zeitgenössischen Ästhetik der Störung ein Resonanzraum öffnet.
Keavenys fragmentiertes digitales Porträt und Petzolds fragmentierte Sprache begegnen sich damit an einer entscheidenden Stelle: im Bruch. Was nicht vollständig rekonstruiert, geglättet oder in einen Kanon zurückgeführt werden kann, wird gerade in seiner Störung sichtbar.
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Um 17.30 Uhr beginnt die Kuratorin-Führung durch die Digitalvilla mit neuen Artefakten der GIANT GLITCHES. Auf der Ebene Null zeigt Thomas Scheffer die Werkschau DAS SICHTBARE IST NICHT DAS MÖGLICHE.
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Weitere Informationen zu THOMAS SCHEFFER.
DAS SICHTBARE IST NICHT DAS MÖGLICHE
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VERANSTALTUNGSPROGRAMM: NOVEMBER 2026
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17. November in der Digitalvilla
LYRIK-PFLEGE: DIE RÜCKSEITE DER ERINNERUNG
Jutta Petzold – Von der verletzten Oberfläche zum textilen Archiv
Ein Stickworkshop mit Marie Kublik und Frida Teller
Anmeldung: kontakt@verena-voigt-pr.de
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Die Diktatur schreibt sich in Körper und Biografien ein. Doch ihre Spuren lassen sich nicht unmittelbar aus den Körpern herauslesen. Ian Keavenys digitales Porträt Jutta Petzolds macht die Brüchigkeit historischer Rekonstruktion sichtbar. Marie Kublik und Frida Teller übertragen mit dem Konzept der LYRIK-PFLEGE ausgewählte Verse der Schriftstellerin auf historische Stoffe.
Die Nadel durchdringt das Gewebe und hinterlässt eine dauerhafte Spur – wird zur ambivalenten Praxis zwischen Verletzung und Fürsorge. Während auf der Vorderseite lesbare Schrift entsteht, bilden Fadenwege, Knoten und Vernähungen auf der Rückseite eine zweite Ordnung. Hier eröffnet sich ein Resonanzraum zur Glitch Art: Sichtbar werden die gewöhnlich verborgenen Bedingungen der Herstellung.
Die Rückseite dokumentiert nicht Petzolds historische Verletzungen, sondern unsere heutige Annäherung an ihr Werk. Bewahrung bedeutet hier nicht Heilung, sondern die Anerkennung dessen, was sich vollständiger Rekonstruktion und Lesbarkeit entzieht.
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FALLING FROM THE SHOULDERS OF GIANTS: COLD FEET - LONG ARMS
Basierend auf dem Konzept FALLING FROM THE SHOULDERS OF GIANTS (2026-2027) beschäftigen wir uns mit Zusammenhängen von Kunst, Körper, KI & Kosmos, in Verbindung mit Ost-West-Deutscher Identität, Staatssicherheit & Überwachung, sprachlichen wie körperlichen Einschreibungen in Gewaltregimen. Konzeptionell geht es um Recherchen zum Wörterbuch der Staatssicherheit, Kartierungen der Juristischen Hochschule am Campus Golm (1951-1990), insbesondere der Operativen Psychologie. COLD FEET - LONG ARMS ist der Titel eines 2-jährigen Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramms.
Das Veranstaltungskonzept schafft und untersucht aktuelle künstlerische Auseinandersetzungen mit künstlicher Intelligenz, Körperbildern, Kontrolle und Erinnerung – vor dem Hintergrund der Geschichte Brandenburgs als Ort der Macht- und Wissensproduktion. Besonderes Augenmerk liegt 2026 auf der Juristischen Hochschule Potsdam (1951–1990), dem zentralen Ausbildungsort der DDR-Staatssicherheit, und dem dort entwickelten Instrumentarium der Operativen Psychologie, das auf Disziplinierung, Steuerung und Destabilisierung von Personen abzielte.
Mit künstlerischen Methoden digitaler und nicht-digitaler Prozesse werden diese historischen Machttechniken heutigen KI-Dominanzen und Kontrollnarrativen gegenübergestellt.
Der Körper als künstliches Konstrukt – historische und digitale Paradigmen
Wie wird der Körper in ideologischen Systemen durch Technologie konstruiert? Die Ausstellung verknüpft aktuelle KI-kritische Positionen mit den Körperkonzepten der DDR-Staatssicherheit, die mittels operativer Psychologie versucht hat, Menschen durch Überwachung, Isolation, Desorientierung und Selbstzweifel zu destabilisieren. In einer Linie mit Schönheitsidealen, digitaler Optimierung und psychologischer Profilbildung der Gegenwart zeigt sich: Der „optimierte“ Mensch bleibt eine politische Projektionsfläche.
Kontrolle durch Sprache – das Wörterbuch der Staatssicherheit als Instrument
Das Wörterbuch der Staatssicherheit offenbart, wie Sprache zur Vernebelung und Legitimation repressiver Maßnahmen genutzt wurde. Es begegnet der KI-generierten Sprache von heute – mit ihren normativen, entkontextualisierten Outputs – in Form künstlerischer Rekonstruktion, Umcodierung und Verfremdung. Die Ausstellung nutzt das Wörterbuch als Textquelle, ästhetisches Objekt, Denkraum für kritische Kunst sowie als Grundlage für Rezitationen und Interventionen im öffentlichen Raum.
Der menschliche Geist unter Extrembedingungen – Operative Psychologie und KI
Inwiefern lassen sich Kontrollmechanismen der DDR-Staatssicherheit mit den unsichtbaren Steuerungsmodellen heutiger Algorithmen vergleichen? Künstlerische Positionen rekonstruieren, irritieren oder „glitchen“ Prozesse, die auf Verhaltensvorhersage, psychologischer Beeinflussung oder Gamification beruhen – damals wie heute.
Eine wichtige Rolle auch in dieser Projektphase spielen die Publikationen der ostdeutschen Schriftstellerin Ines Geipel; gemeinsam wollen wir uns mit der vergessenen Schriftstellerin Jutta Petzold beschäftigen.
Verlorene Körper, verlorene Kontrolle – Techniken der Zersetzung und des Ghostings
Künstler:innen setzen sich mit Dekonstruktionen des Körpers auseinander. Die Jahre 1951-1990 in der DDR zeigen: der Körper war stets auch Überwachungsobjekt und als kulturelles Konstrukt an unterschiedlichen Schnittstellen zu Sport-, Raumfahrt- und Militärmedizin. Parallelen zwischen der Zersetzungstaktik der Stasi und heutigen „Disappearance“-Techniken digitaler Systeme (Shadow Banning, Deplatforming, Deepfakes) werden mit künstlerischen Mitteln untersucht.
Glitch Art als künstlerischer Widerstand – Gegensteuerung durch Störung
Störung wird zur Strategie: In der DDR war sie repressives Mittel der Macht, in der digitalen Gegenwart ein kreatives Prinzip der Gegenwehr. Glitch Art unterwandert Datenströme, hinterfragt KI-Dominanz und setzt alternative Lesarten durch Fragmentierung, Überlagerung und Kontextverschiebung.
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Kooperationspartner & Veranstaltungsort u.a. Digitalvilla in Potsdam
Institut für Wirtschaftsinformatik, Prozesse und Systeme der Universität Potsdam
Hedy-Lamarr-Platz, 14482 Potsdam
Besuch der Ausstellung auf Anfrage kontakt(at)verena-voigt-pr.de
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Mit freundlicher Unterstützung von Dr. med. Michael Kassel und Dr. phil. Tilman Engel, Hochschulambulanz, Zentrum für Sportmedizin, Freizeit-, Gesundheits- und Leistungssport, Professur Sportmedizin und Sportorthopädie der Universität. Graphik generiert mit Unterstützung der Plattform NOVEL.
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FALLING FROM THE SHOULDERS OF GIANTS ist ein zweijähriges im Rahmen von "Von hier aus Zukunft – Kulturland Brandenburg 2026/2027" unterstütztes Kunstprojekt. Kulturland Brandenburg ist gefördert durch Mittel des Landes Brandenburg; mit freundlicher Unterstützung der brandenburgischen Sparkassen.
PUBLIKATIONEN
BOOK No. 1, 2023
GlitchPhenomena.3.0.
A CURATORIAL ESSAY
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BOOK No. 3, 2025
GLITCH: ONTOLOGICAL & EXHAUSTIONS SYSTEM FAILURES
DOCUMENTATION, SPAZJU KREATTIV, VALLETTA, MALTA
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FALLING FROM THE SHOULDERS OF GIANTS: COLD FEET - LONG ARMS (2026/27)
Von hier aus Zukunft 2026/2027. Ein Förderprojekt von Kulturland Brandenburg.
Artists & Activists: Domenico Barra, Michael Betancourt, Aaron Bezzina, Ruth Bianco, Ian Keaveny, Ruppe Koselleck, Katrin Leitner, Bjørn Melhus, Rosa Menkman, Laila Shereen Sakr, Joana Moll & Thomas Scheffer/ Karina Lejeune, Sten Niklas Washausen.
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Moderation/ Konzept: Verena Voigt M.A. GFZK e.V. (Kuratorin)
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Digitalvilla in Potsdam
Hedy-Lamarr-Platz, 14482 Potsdam
Für die Förderungen seit 2023 (als Platform Glitch Aesthetics) bedanken wir uns herzlich bei der STIFTUNG KUNSTFONDS und der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (2023), dem ZeM-Brandenburgische Zentrum für Medienwissenschaften (2023), der Landeshauptstadt Potsdam (2024), dem FU:BAR (2024), dem IKT (seit 2021), dem Spazju Kreattiv (Malta, 2025), dem VDA + VDC (Malta, 2025), dem German Maltese-Circle / Goethe-Institut (Malta, 2025) & Aksioma (Malta, 2025). Den MEDIEN danken wir für die aufmerksame Begleitung des Aufbaus der PLATFORM GLITCH AESTHETICS.
Die PLATFORM GLITCH AESTHETIC konnte im Jahr 2023 mit Hilfe der NEUSTART KULTUR-Förderung "Plattformen der Bildenden Kunst" aus den Mitteln der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien gegründet werden. Das Ausstellungs- und Diskussionsprogramm gab faszinierende Einblicke in die Alchemie der Glitch Art, des Glitch Feminismus und thematisierte Themen wie Algorithmensucht, KI-Detoxifikation und Halluzination. Plattform-Kuratorin ist Verena Voigt M.A.:
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GESELLSCHAFT FÜR ZEITGENÖSSISCHE KONZEPTE e.V.
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Die Gesellschaft für zeitgenössische Konzepte (GFZK e.V.) wurde am 1. Juli 2013 in Kiel gegründet. Seit Oktober 2018 hat der Kunstverein seinen Sitz in Potsdam. Geleitet wird er von der Kuratorin, Kunsthistorikerin und Journalistin Verena Voigt M.A., (Gründungsvorsitzende), gemeinsam mit den Vorständen Angelika Jaros (Berlin) und Christopher Gillen (Gozo). Die GFZK e.V. unterstützt Künstler*innen bei der Entwicklung neuer Produktionen, bindet sie in gesellschaftliche Diskurse ein und erzeugt Netzwerkaktivitäten. Die GFZK e.V. befasst sich mit Aspekten von Nachhaltigkeit und Klimawandel, verstanden als Folge von Risikoketten gesellschaftlicher, politischer und digitaler Verlustszenarien.
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